Als wir unser Haus das erste Mal besichtigten, blutete mein Landschaftsarchitekten-Herz beim Anblick dieses wilden Durcheinanders. Vor dem Haus bot sich ein wenig einladendes Bild. Den Blick auf den Eingang versperrte eine zwei Meter hohe Thuja-Hecke. Hinter dem Haus bestand der Garten aus einer abfallenden Rasenfläche und einer sehr wilden Mischung aus Blumen, immergrünen Gehölzen und unfassbar viel Stachelbeer- und Johannisbeersträuchern. Ich habe nichts gegen leckere Früchte aus dem eigenen Garten, aber diese Massen, benötigten wir ganz sicher nicht. Und dieses wilde Chaos galt es zu ordnen.

Ein Plan musste her!

Ein wichtiger Punkt für mich war, dass Besuchern ein netter Empfang vor der Haustür geboten wird. Der schmale Weg aus Waschbetonplatten zum Eingang musste weichen. Nach dem Umbau im Vorgarten bieten nun großformatige Sandsteinplatten genügend Platz, um Besucher willkommen zu heißen oder das Fahrrad abzustellen. Rechts und links vom Eingangsweg wurden zwei Sträucher (Cornus florida) gepflanzt, die im Vorfrühling eine wunderschöne weiße Blüte ausbilden. Im Herbst bezaubern die Blumen-Hartriegel uns jedes Jahr aufs Neue mit ihrem prächtigen dunkelroten Laub.

Da man sich besonders im März und April nach den ersten Blüten sehnt, sammelte ich die vielen im Garten verstreuten Narzissen und vereinigte sie vor dem Haus. Abwechselnd mit Montbretien (Crocosmia) in Reihe gesetzt, ergibt das Blütenmeer aus Osterglocken einen knalligen Frühlingsaspekt - fast wie in Holland. Im Herbst freut man sich dann über das orange-rote Meer aus Montbretien. Was man nicht vermutet: unter all den Blumen versteckt, liegt der Regenwassertank...

Im Zuge der Wärmedämmung des Gebäudes wurde einmal ums Haus aufgegraben und so nutzten wir die Chance, um einen unterirdischen Regenwassertank einzubauen. Die Leitung verläuft in der Gebäudedämmung zum unteren Gartenteil. Durch den Höhenunterschied kann das Wasser ohne Strom und ohne Pumpe am Hahn gezapft werden.
Als wir einzogen, waren im unteren Gartenteil eine kurze Weinbergmauer und einige Findlinge aus Sandstein vorhanden. Sandstein wurde bis 2010 im nahegelegenen Steinbruch von Tübingen-Pfrondorf abgebaut, so dass es das ortstypische Material ist. Um einen aufgeregten Materialmix zu vermeiden, entschieden wir uns daraufhin Sandstein im ganzen Garten zu verwenden. Das regionale Material kam in Form von gesägten neuen Platten und Pflasterstreifen als Belag, gesägten geradlinigen Mauerscheiben und polygonalen Steinen in der Trockenmauer zum Einsatz.

Hinter dem Haus, im unteren Teil des Grundstückes hatte unser Vorgänger in einem kleinen Teilbereich schon angefangen, das schräge Gelände mit Hilfe einer Trockenmauer zu terrassieren. Unser Plan war diese Mauer über drei Seiten des Grundstückes zu verlängern und somit die Höhenunterschiede abzufangen. Mit diesem Kunstgriff wurde das Gelände in eine ebene Rasenfläche, eine Staudenfläche und ein Hochbeet unterteilt.

Für die Verlängerung der Trockenmauer wurden sämtliche Steine im Garten zusammengesammelt und etliche Tonnen gebrauchtes Material gekauft. Ein Gärtner half uns die Mauern aus den schweren Steinen aufzuschichten. Damit die Sandsteine vor eindringendem Wasser gut geschützt sind, wurden als oberste Abdeckschicht gesägte Platten verwendet. Mit geraden Platten bedeckt, dient die Mauer als Weg, um die Beete zu pflegen und als Sitzgelegenheit zum Beine baumeln lassen.
Die Staudenfläche sollte knallig-rot werden! Also verpflanzte ich sämtliche vorhandene rotblühenden Stauden und Tulpen in die Fläche und bestellte Stauden im Internet. Mit welchem Erfolg? - Die Pflanzen, die im Internet als dunkel-weinrot abgebildet waren, blühten teilweise rosa und nicht wie gewünscht bordeauxrot. Seit diesem Irrtum durchforste ich die Staudengärtnereien im Umkreis nach gerade rot blühenden Stauden. Von Jahr zu Jahr wird die Fläche dichter.
Auf der unteren Rasenfläche spendet ein Apfelbaum der Sorte Santana (Allergiker-geeignet) den notwendigen Schatten. Darunter grasen unsere zwei Schildkröten. Am Anfang hatten wir noch Probleme den vielen Winden, die sich in der Erde befanden Einhalt zu gebieten. Doch seitdem die Schildkröten über den Rasen laufen, haben Winden und Löwenzahn keine Chancen mehr!

Neben der unten liegenden Terrasse befindet sich der Kräuter- und Küchengarten. An diesem Ort sind die Nutzpflanzen nahe am Gebäude und die Düfte der Kräuter direkt am Sitzplatz zu riechen. Neben Schnittlauch, Thymian, Bohnenkraut und den gewöhnlichen Küchenkräutern wachsen dort auch Gänseblümchen, Ringelblumen und Griechisches Bergbohnenkraut für verschiedene Teesorten. Damit bietet unser Garten nicht nur was zum Anschauen, sondern auch zum Riechen und Schmecken.

Aus dem ursprünglichen Chaos ist mit der Zeit ein dufter Garten geworden!