Vorrausschauend - mitten im Winter - riefen mich die Bauherren an und wir schauten uns die zu ändernde Fläche des Grundstückes bei Eiseskälte an.
Gut, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht geschneit hatte, denn das Gelände ist extrem steil. Wie der Vermesser später feststellte, besitzt es auf einer Länge von 7 Metern einen Höhenunterschied von ebenfalls 7 Meter. Die Besitzer fühlten sich unwohl bei dem Gedanken, dass Steine der alten Natursteinmauer schon eingefallen und den Hang hinab gestürzt waren. An dem Steilhang hielt sich ebenfalls keine ansehnliche Bepflanzung.

Wir überlegten zusammen, wie wir weiter vorgehen und entschieden uns einen Statiker mit ins Boot zu holen. Um ein weiteres Abrutschen des Hanges aufzuhalten, empfahl er uns über die Fläche ein Stahlnetz zu spannen.

Von der höchsten Stelle des Grundstückes hat man einen grandiosen Ausblick über Tübingen. Von dort kann man die Stiftskirche und den Tübinger Schlossberg sehen. Es wäre schade, solch ein Potenzial nicht zu nutzen. Ich schlug den Bauherren ein Holzdeck vor, das ähnlich wie eine Aussichtsplattform über dem Gelände schwebt. Auf diese Weise könnten Sie am höchsten Punkt des Gartens diesen wundervollen Blick richtig genießen. Sie waren Feuer und Flamme.
Das sehr anspruchsvolle Gelände machte eine ganz gewissenhafte Planung notwendig. Der Vermesser nahm die Fläche genau auf. Auf dieser Grundlage konnte ein exakter Plan des Holzdecks und der Stahltreppe gefertigt werden. Die präzise Lage der Stützen wurde festgelegt, so dass die ausführenden Firmen keine Probleme beim Bau bekamen.

Durch die durchdachte Planung und die meisterhafte Leistung der Handwerker vor Ort war es eigentlich ein Leichtes diese Baustelle zu überwachen. Doch fit musste ich sein und passendes Schuhwerk anziehen! Jeden Tag musste der Hang erklommen werden.

Als erstes nahm der Garten- und Landschaftsbaubetrieb die Steine der alten Natursteinmauer vorsichtig ab und setzte sie fachgerecht wieder auf, so dass die nächsten 20 Jahre dort kein Stein mehr droht herunterzufallen. In mühevoller Handarbeit fertigte er außerdem die Fundamente, auf die später die vorgefertigten Stützen der Stahltreppe und des Holzdecks vom Stahlbauer befestigt wurden. In der nächsten Etappe wurde das vom Statiker geforderte Netz über das ganze Gelände und um die Stützen herum gespannt.

Noch rechtzeitig vor dem ersten Frost gegen Ende des Jahres hatten wir es geschafft. Im Herbst bekam das Gelände noch seinen "grünen" Anstrich. Ein Apfelbaum und einige Weinreben begrünen nun das Holzdeck. In die Fugen des Stahlnetzes setzte der Garten- und Landschaftsbauer fast 500 Lavendelpflanzen. Diese Pflanzen sind für den nach Süden exponierten Hang wie geschaffen und deshalb sehr pflegeleicht. Der Lavendel wird mit der Zeit das Stahlnetz überwuchern. Nur einmal im Jahr muss man die verblühten Triebe mit der Heckenschere schneiden.

Direkt neben das Holzdeck wurden einige Kräuter gepflanzt, damit die Bauherren nicht zum Würzen alle 37 Stufen zu ihrer Küche wieder hinunter müssen. Ansonsten können Sie sich nun über eine grandiose Aussicht - und das nicht nur an Silvester - freuen...