Man behauptet scherzhaft Engländer schneiden ihre Hecken mit der Nagelschere. Ganz so ist es nicht, aber von Hand werden sie dennoch geschnitten. Die nicht ganz ernst gemeinte Behauptung zeugt davon, welchen Stellenwert Hecken in den englischen Gärten besitzen.

Historisches

Das Wort Hecke stammt vom althochdeutschen "hegga", was soviel heißt wie hegen, umzäunen. Die Silbe "heck" bedeutet beschützen, behüten. Früher verwandte man Hecken in Hausgärten ausschließlich um das Gelände zu umzäunen. Sie schützten das Grundstück und ihre Bewohner vor unliebsamen Gästen und vor Wind. Die englische Gartendesignerin Gertrude Jekyll (1843-1932) verwandte Hecken oder Mauern als geordneten Hintergrund für ihre opulenten Rabatten. Sie untergliederte den Garten und erschuf dadurch einzelne Gartenkompartimente, die mit Hecken umgeben waren. Gertrude Jekyll erkannte, dass nicht nur die Bewohner des Gartens, sondern auch Pflanzen behütet und beschützt werden wollen. Stauden benötigen einen klaren Hintergrund, um zur vollen Geltung zu kommen. Eine lockere Staudenpflanzung und die strenge Hecke dahinter ergänzen sich. So entstand der Begriff "english border", der eine üppige Staudenpflanzung vor ruhiger Kulisse bezeichnet. Viele englische Gärten leben von diesem Kontrast.

Pflanzenauswahl

Mit verschieden hohen Hecken lassen sich einzelne Gartenteile abgrenzen. Mit einer Hecke auf Knie- oder Hüfthöhe werden Bauern- oder Kräutergärten eingefasst. Dabei bieten sich Buchs oder Lavendel an.
Eine Hecke auf Schulterhöhe, kann mit Liguster, Eibe oder größeren Buchspflanzen realisiert werden. Ab dieser Höhe kann man die Pflanzen nicht mehr übersteigen, aber noch überblicken. Will man auch die Blicke von Passanten abhalten, dann gibt es viele Möglichkeiten bei der Pflanzenauswahl. Immergrüne sind zum Beispiel: Eibe, Kirschlorbeer, Scheinzypresse, Thuja oder der Schirmbambus (Fargesia murielae Jumbo). Sommergrün, aber teilweise auch im Winter fast blickdicht sind: Hainbuche, Buche, Liguster, Feldahorn und viele andere.
Je nach Pflanzenwahl benötigt man eine unterschiedliche Breite: die schmalsten regelmäßig beschnittenen Hecken (60 cm) lassen sich mit Liguster und Hainbuche realisieren. Hat man noch weniger Platz zur Verfügung, können Rankgerüste mit Kletterpflanzen für eine grüne Wand und für die nötige Geborgenheit sorgen.

Nachbarschaftsrecht

Gerne umgrenzt man seinen Garten. Laut Nachbarschaftsrecht von Baden-Württemberg sollte man beachten, dass Hecken mit mindestens 50 cm Abstand von der Grenze gepflanzt werden (Mitte des Stammes) und eine Endhöhe von maximal 1,80 Meter erreichen. Soll es eine noch höhere Hecke werden, ist man verpflichtet einen größeren Abstand entsprechend der Mehrhöhe einzuhalten.

Gestalterisches

Hecken sind grüne Architektur. Im Winter verleihen regelmäßig geschnittene Pflanzen dem Garten die Struktur. Im Sommer dienen sie als grüne Wand die dem Gartengefüge Ruhe verleiht. Grün wirkt beruhigend auf die Seele. Mit einer Wand entlang der Grundstücksgrenze fühlen wir uns geborgen und sicher. Wer benötigt diese Ruhe in unserer hektischen Arbeitswelt nicht?
Dennoch, nicht an jeder Stelle ist es sinnvoll eine hohe Hecke zu pflanzen. Schöne Aussichten in die Landschaft dürfen nicht versperrt werden, um den Garten größer wirken zu lassen. An anderer Stelle kann es wiederum sinnvoll sein, den Blick zu versperren. Eine hohe Hecke oder ein Rankgerüst mit einer Kletterpflanze ist das Mittel der Wahl, wenn Nachbars Garagenwand versteckt werden soll. Hinter einer geschnittenen Hecke lassen sich preiswert, aber ansehnlich die Mülltonnen verstecken.

Heckenelemente können ebenfalls gepflanzt werden, um eine Achse zu betonen. Innerhalb eines großen Grundstückes gliedern sie den Garten und geben optischen Halt. Zwei parallele langgezogene Hecken begrenzen den Blick rechts und links der Achse und fokussieren auf das Ziel. Ähnlich einem Pfeil weisen die linienförmigen Hecken in eine Richtung. Wichtig ist, dass am Endpunkt der Linie ein Highlight zu finden ist. Das könnte ein Brunnen, ein Kunstwerk oder ein wunderschöner Blick in die Landschaft sein.
Einige Baumschulen haben vorkultivierte Heckenelemente im Sortiment. Ebenfalls werden quader- oder säulenförmig beschnittene Eiben-, Buchs- oder Thujapflanzen angeboten. Vorgezogene Pflanzen haben den Vorteil, dass sie schon bei der Pflanzung eine ansehnliche Größe und Form besitzen. So bietet Ihr Garten von Anfang an ein ansehnliches Bild und Sie haben weniger Arbeit mit dem Schnitt.

Hecke schneiden

Je schneller die Pflanze wächst, umso häufiger muss geschnitten werden. Ein Buchsbaum wächst zwar langsam und ist teuer, muss aber nur einmal im Jahr geschnitten werden. Wogegen eine gepflegte Ligusterhecke zweimal im Jahr bearbeitet werden muss.
Beim Schnitt sollte man beachten, dass die Hecke sich nach oben hin leicht verjüngt, damit das Sonnenlicht auch die unteren Blätter ähnlich erreicht. Im Querschnitt entsteht ein Trapez. In Bodennähe würden sonst die Sträucher verkahlen, weil die Blätter im unteren Teil nicht genügend Licht erhalten.

Schnitt womit? - Nicht mit der Nagelschere...


veröffentlicht in: Tübingen im Fokus, September 2013