Naturstein ist ein wunderbar vielfältiger Baustoff. Große gesägte Platten verleihen dem Garten einen schicken Charakter. Das gleiche Material kann aber genauso gut rustikal wirken, wenn es bruchrauh verbaut wird. Kombiniert man beide Varianten miteinander lassen sich anregende Effekte schaffen.

Gestalterisches

In welchem Stil ist Ihr Haus gebaut? Nicht zu jedem Gebäude passt Naturstein. Mauern und Beläge von einem komplett in Sichtbeton gefertigtem Haus, sollten ebenfalls aus Beton gefertigt werden. Haus und Garten sollten eine Einheit darstellen. Doch Naturstein entspricht jeder anderen Bauart. Ich bin kein Naturstein-Händler, doch hat mich dieses Material sowohl ästhetisch, als auch ökologisch überzeugt.

Ob Sandstein, Kalkstein, Travertin oder Granit, nach 20 Jahren im Garten sind die Steine noch immer edel. Beton sieht man dagegen sein Alter an und er muss ausgetauscht werden.

Das Wichtigste im Garten sind meiner Meinung nach die Pflanzen. Sie sollten im Vordergrund stehen. Verwendet man unterschiedliche Gesteine lenkt es von den Pflanzen ab, die verschiedenen Materialien machen den Pflanzen Konkurrenz und es entsteht ein aufgeregter Eindruck. Deshalb sollte man einen Materialmix vermeiden und wenn möglich nur eine Gesteinssorte im Garten verwenden.

Wahl des Natursteines

Bei der Auswahl der Sorte orientiert man sich am Gebäude, um ein möglichst harmonisches Bild von Haus und Garten zu schaffen. Oft ist in der Tübinger Gegend ein gelblicher Sandstein an Altbauten im Garten verbaut worden. Je nach Herkunft und Gegend ist Sandstein unterschiedlich frostsicher. Für die Verwendung im Garten sollte man sich die Frostsicherheit des Materials vom Lieferanten bescheinigen lassen.

Bei Neubauten hat man bei der Auswahl des Steines die Qual der Wahl. Besonders elegant wirkt bei Neubauten, wenn man sowohl im Wohnbereich, als auch im Garten den gleichen Stein auswählt. Dieser kann im Gebäude poliert sein. Im Außenbereich wird derselbe Stein verwendet. Dort bitte auf keinen Fall poliert! Bei Nässe und Schnee gäbe es eine gefährliche Schlitterpartie. Eine perfekte Einheit von Haus und Garten entsteht, wenn auch die Größe der Steine inkl. Fugenbild übereinstimmen. Der Übergang vom Haus zum Garten wird verringert, die Grenze zwischen Innen- und Außenraum verschwindet und plötzlich steht man im Garten ohne es zu bemerken!

Platten

Natursteinplatten kann man bis zu einer Größe von etwa einem Meter auf einem Meter verlegen. Je größer die Formate, umso großzügiger wirkt der Garten.
Die Dicke des Steines wird durch die Wahl der Steinart vorgegeben. In den meisten Fällen sind Natursteinplatten etwas dicker zu bemessen als Betonplatten. Gesägte Platten können imprägniert werden, dadurch treten Maserungen im Stein deutlicher hervor und er wird etwas dunkler. Die Imprägnierung sollte allerdings alle 2 Jahre erneuert werden. Wer es lieber natürlich mag, kann die Platten in ihrer puren Oberfläche belassen. Über die Jahre hinweg nehmen sie eine Patina an, die sich ganz harmonisch in das Gartengefüge integriert. Alte Steine haben den Charakter eines alten Menschen mit wunderschönen Lachfalten.

Das Tolle an Natursteinplatten ist, dass man sie auf den mm genau sägen und bestellen kann. So lassen sich Sondermaße wie z.B. 88,5 cm auf 69,7 cm ordern. Terrassen, die ganz exakt bemessen sind, können ohne schmale Reststeine an den Seiten auskommen. Fugenraster können perfekt geplant werden.
Falls nach Jahren eine Platte kaputt gehen sollte, wird das kein Problem sein, denn auch die Nachlieferung ist immer gegeben.

Mauern

Bei Mauern aus Natursteinen ist optisch alles möglich. Von geschliffenen glatten Mauerscheiben, über ein regelmäßiges Schichtenmauerwerk, bis hin zu rustikalen Weinbergmauern aus gebrauchten Steinen.
Bei allen Varianten ist es wichtig, dass die Mauer frostfrei gegründet wird. Das Fundament sollte 60 cm, besser 80 cm tief sein. Wasser, welches sich unter oder hinter der Mauer stauen könnte wird abgeleitet.
Hinter dem Mauerfuß wird Hangwasser mit Hilfe eines Drainrohres abgefangen und das Rohr an die Hausentwässerung angeschlossen. Im Winter kann es sonst zu Frostsprengungen kommen.

Möchte man eher eine ruhige, elegante Mauer bieten sich Mauerscheiben an. Die Steine werden hierbei senkrecht in den Boden gestellt und mit Beton befestigt. Sie wirken edel und lassen sich wie die Platten imprägnieren. Die senkrechten Fugen können zum Beispiel passend zum Plattenraster angeordnet werden, so dass ein rundum einheitliches Fugenbild entsteht.

Horizontal geschichtete Mauern können bis zu einer Höhe von 60 cm ohne Beton ausgeführt werden. Verwendet man außerdem gebrauchte Natursteine, kann man seinen Garten ökologisch veredeln. In den Ritzen der Trockenmauern können sich Eidechsen und andere Tiere ansiedeln. Einige heimische Vogelarten finden in Spalten ihre Nahrung und mit Lavendel auf der Mauerkrone lockt man Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Und vielleicht lässt auch der Duft des Lavendels auf Nasenhöhe den ein oder anderen Menschen länger im Garten verweilen...


veröffentlicht in: Tübingen im Fokus, August 2013