Heiner Christner ist ursprünglich gelernter Dekorateur und kümmerte sich früher ausschließlich um die Warenpräsentation in Schaufenstern. Doch seitdem er seinen eigenen Garten in Gönningen erschaffen hat, sind die zahlreichen Besucher immer wieder derart von der Schönheit seines Paradieses begeistert, dass Sie bei Ihm Hilfe suchen. Mit seinen spannenden Pflanzenkombinationen setzt er neue Maßstäbe in der Pflanzplanung. Inzwischen hat er sein geliebtes Hobby zum Beruf gemacht und berät bei der Pflanzenauswahl. Heiner Christner entwickelt gemeinsam mit den Kunden Pflanzpläne, die zum Garten passen. Er erschafft für seine Kundschaft auf den Ort zugeschnittene bezaubernde Paradiese, die sich sehen lassen können.

Herr Christner, Sie haben unter anderem ein Beet mit essbaren Pflanzen im eigenen Garten. Diese sind allerdings nicht in Reihen gepflanzt, sondern bieten ein ansehnliches Beet ähnlich eines englischen Borders. Wie sind Sie auf die Idee mit dem essbaren Beet gekommen?
Am Anfang dachte ich an die Selbstversorgung für mich als Vegetarier. Doch dann kam die Überlegung, dass ein Beet mit essbaren Pflanzen auch ästhetisch schön aussehen kann. Es müssen ja nicht immer in Reihe gepflanzte Möhren sein. Die Spannung in meinem Gemüsebeet entsteht durch die verschiedenen Höhen, die unterschiedlichen Farben und die faszinierenden Blattstrukturen. Dunkle Blätter werden gemischt mit hellen, fast weißen und rotlaubigen. Im Vordergrund rahmen flache Kohlköpfe die höheren aufwärtsstrebenden Pflanzen ein. Breite Blätter bieten einen starken Kontrast zu den schmalen geschlitzt-blättrigen. Feine und harte Blattstrukturen wechseln sich ab und machen die Szenerie spannend.

Welche Pflanzen haben Sie verwendet?
Hinten sieht man die wundervolle schwarzlaubige Dahlie 'Happy Single Flame' mit einer gelben Mitte und feuerroten Blütenspitzen. In der Mitte schaut der Toskanische Palmkohl 'Nero die Toskana' über die flachen Kohlköpfe. Dazwischen steht roter Grünkohl der Sorte 'Redbor'. Vorne sind der geschlitzt-blättrige helle Zierkohl 'White Peacock' und der rote 'Red Peacock' gepflanzt. Eine gewöhnliche Zucchinipflanze liegt auf dem Boden. Die flachen Gemüsearten werden von leckerem Gemüsefenchel überragt. Einen schönen roten Farbkontrast zu dem hellgrünen Gemüsefenchel bietet die weinrote Gartenmelde (Atriplex hortensis var. rubra). Die jungen Blätter können wie Spinat gekocht werden, im Bild sieht man allerdings vor allem die Samenstände. Außerdem wurden von mir Artischocken, Mangold 'Bright Light', Blattsalat Lollo Bionda, Bohnen, Lauch und der weinrote Radicchio gepflanzt, die aber nicht auf dem Foto zu sehen sind.

Da sind einige Raritäten dabei, die man nicht auf dem Wochenmarkt kaufen kann. Wie sind Sie zu den Pflanzen gekommen?
Die meisten Pflanzen wurden von mir auf dem Balkon selber ausgesät, pikiert und dann je nach Bedarf in das Beet gesetzt. An den Stellen, wo mit der Zeit Lücken entstanden sind, habe ich einzelne Pflanzen nachgepflanzt, um das bunte Bild zu erhalten. Für den Winteraspekt wurde das Beet mit verschiedenen Kohlpflanzen geschlossen.

Wieviel Aufwand macht so ein Beet?
Natürlich ist solch ein Gemüsebeet nicht unbedingt pflegeleicht. Aussaat, Gießen, Düngen und Pflegen sind nicht mit einer anderen Freiflächenbepflanzung gleichzusetzen. Der Boden, die Bewässerung und die Nährstoffversorgung müssen optimal sein. Mein eigener Paradiesgarten wird durch diese Pflanzung bereichert. Diese außergewöhnliche Pflanzenkombination macht mir viel Freude und lässt andere staunen; so können sich Kunden Inspirationen holen. Was Farbe, Form und Blattstrukturen anbelangt, entwerfe ich gerne ähnlich ansprechende Staudenbeete, die dann weniger pflegeintensiv sind. Z.B. kann man mit trockenheitsverträglichen Stauden arbeiten, damit nicht so oft gegossen werden müssen.

Sind alle Pflanzen auf den Teller gelandet?
Böse Zungen behaupten, ich würde nicht ernten. Aber natürlich habe ich das leckere Gemüse und die frischen Salate zum Teil gegessen!



veröffentlicht in: Obst & Garten, Dezember 2018