Durch die Integration von Obstbäumen und -sträuchern in die Gartengestaltung lassen sich harmonische Bereiche mit Mehrfachnutzen schaffen. Dabei kann es sich durchaus lohnen, bereits größere Bäume zu pflanzen oder umzusetzen.
Sie träumen davon nach getaner Arbeit in der Hängematte zu liegen und dem bunten Obst beim Reifwerden zuzusehen? Und wenn man Hunger hat, nimmt man sich einfach einen schönen saftigen Apfel und beißt rein. Das klingt wie das Paradies! Der verführerische Traum von der Hängematte ist in absehbarer Zeit zu erreichen. Alles was dafür benötigt wird, sind zwei Obstgehölze, die schon die passende adäquate Größe haben. Wenn Sie jetzt denken, dass dies so schnell nicht möglich sei, weil in ihrem Garten keine Bäume mit dicken Stämmen existieren, dann kann ich Ihnen Hoffnung machen. Es gibt die Möglichkeit, direkt große Obstbäume in adäquater Größe zu pflanzen. Einige Baumschulen haben schon ausgewachsene Bäume im Angebot. Der Aufwand für die Pflanzung der Bäume ist natürlich beachtlich, aber er lohnt sich. Sie können sich in diesem Leben noch das Paradies im eigenen Garten erschaffen. Mit Hilfe von Großbaumverpflanzungen ist dies möglich. Die erste Verpflanzung eines Großbaumes in Deutschland hat 1826 Fürst von Pückler-Muskau mit seiner "Baum-Maschine" im Muskauer Park mit einer alten Blutbuche erreicht. Er wollte noch zu seinen Lebzeiten den perfekten Anblick seines Landschaftsparks genießen.

Inzwischen werden die Pflanzen nicht mehr von Pferden gezogen. In der heutigen Zeit greifen große Spezialmaschinen vorsichtig um die Wurzelballen der Bäume und transportieren den ganzen Baum bis zu seinem neuen Standort. Dort wird er mit größter Sorgfalt in sein neues Pflanzloch gesetzt und am gleichen Tag steht er im neuen Garten, als hätte er dort schon immer gestanden.
Im Prinzip ist jede Baumart zu jeder Jahreszeit auf diese Weise verpflanzbar. Günstig ist sogar, die Bäume bei Frost zu verpflanzen, weil der Boden dann nicht durch das Befahren von Fahrzeugen geschädigt wird. Mit Spezialgeräten können Bäume von 40-100 cm Stammumfang umgesetzt werden. Und so haben Sie auf die Schnelle ihre Obstbäume im Garten stehen. Wie lange Sie jetzt noch benötigen, um die Hängematte anzubringen?

Leider dürfen an dieser Stelle Grenzabstände von Gehölzen nicht fehlen. Diese können ihrer Paradiesvorstellung ganz schnell ein jähes Ende bereiten. Ist das Grundstück zu klein für solch ein Vorhaben, dann muss Ihr Garten Eden auf eine andere Art und Weise verwirklicht werden. In den Nachbarrechtlichen Gesetzen der einzelnen Bundesländer sind die Grenzabstände von Gehölzen enthalten. Mit Obstbäumen auf stark wachsenden Unterlagen und veredelten Walnußbäumen muss man bis zu 8 m von der Grundstücksgrenze weg bleiben. Das gilt zum Glück nicht für alle Obstgehölze, sondern nur für die größten. Schwach wachsende Obstgehölze dürfen in Baden-Württemberg in Innerortslage sogar bis zu 1 Meter nahe an die Grenze gesetzt werden. Es empfiehlt sich aber immer vor dem Pflanzen mit dem Nachbarn das Gespräch zu suchen. Viele Missverständnisse können dann vorab bereits geklärt und Nachbarstreitigkeiten vermieden werden. Im Zweifelsfall sollten Sie auf ihrem Amt bei der Stadt anrufen und nachfragen. Dort leistet man bereitwillig Auskunft.

Planen Sie statt der allseits beliebten Thujahecke zum Nachbarn eine wilde Hecke aus verschiedenen Beerensträuchern ein, müssen Sie ebenso die nachbarschaftlichen Regelungen des jeweiligen Bundeslandes einhalten. Die Hecke könnte aus den verschiedenen Sorten von Johannisbeeren, Stachelbeeren, Maibeeren, Felsenbirnen, Kornelkirschen, Gojibeeren, Haselnüssen und vielem anderen essbaren Pflanzen bestehen. Solch eine schmackhafte Hecke benötigt einen mindestens 1,50m breiten Streifen an der Grenze. Mit einer Beerenhecke können Sie das Grundstück begrenzen und tun zudem etwas für die Umwelt. Viele Vögel, Eichhörnchen und vielleicht sogar ein Igel werden sich bei Ihnen bedanken.

Hat man weniger Platz an der Grenze zu Verfügung, kann man mit Spalierobst oder Rankgehölzen eine grüne optische Grenze zum Nachbarn gestalten. Spalierobst benötigt einen kontinuierlichen Schnitt. Als Ausgleich erhalten Sie im Frühling eine himmlisch blühende Grenze und im Herbst entlohnen die Pflanzen Sie für die Arbeit mit gesunder Kost, ohne dass Sie dafür in den Supermarkt fahren müssten.
Haben Sie noch weniger Platz zur Verfügung, kann entlang der Grenze zum Nachbarn oder als Abgrenzung zur Straße hin ein Rankgerüst gute Dienste leisten. Daran können einjährige Pflanzen wie Bohnen oder Gurken oder mehrjährige wie Kiwis, Echter Wein oder die weniger bekannte Akebia quinata emporranken.

Die Natur hat sowohl für Naschkatzen, als auch für Ästheten die passende Pflanze zu bieten. Obstgehölze belohnen die erforderliche Pflege mit ihrer herrlichen Blütenpracht im Frühling und mit ihren farbenfrohen Früchten im Herbst. Dank der großen zur Verfügung stehenden Auswahl findet sich immer das passende Früchtchen. Die frische Ernte aus dem eigenen Garten toppt jeden Einkauf. Das Obst kann auf den Punkt erntereif ohne lange Lieferwege direkt in den Mund wandern. So bleiben alle primären und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe in den Früchten und erhalten Sie gesund. Dann kann man sich guten Gewissens mal eine Pause im Gartenstuhl gönnen und die Augen über sein persönliches Schlaraffenland wandern lassen. Welch' ein Augenschmaus!


veröffentlicht in: Obst & Garten, Dezember 2018