Die Gartengestaltung unterliegt den verschiedensten zeitlichen Trends. Vor 30 Jahren war es unmodern und fast verpönt in einem zeitgemäßen schicken Garten Obstgehölze zu integrieren, von einem Gemüsebeet ganz zu schweigen.
Mittlerweile hat sich die Mode glücklicherweise geändert. Es ist inzwischen nicht nur allein die Optik die bei der Planung eines Gartens zählt. Es wird wieder auf alle Sinne Wert gelegt. Frische Äpfel vom eigenen Baum genießen. Lavendelduft in der Nase riechen. Gärten sind nicht mehr nur zum Anschauen da! Es hat seinen ganz besonderen Reiz, das Essen nicht abgepackt aus dem Supermarkt, sondern frisch aus dem eigenen Beet zu ernten. Essbare Früchte an Sträuchern, z. B. Stachel- oder Johannisbeere, sind schön anzuschauen und schmecken zudem. Naschkatzen kommen da voll auf ihre Kosten. Doch was ist bei der Planung eines Gartens zu beachten, wenn man Obst und Gemüse im eigenen Garten gestalterisch integrieren will?

Beim Neubau eines Gebäudes kann man ganz wesentliche Dinge beeinflussen: An welche Stelle auf dem Bauplatz wird das Gebäude gestellt? Die Lage des Hauses bedingt die Beschattung des Grundstückes. Nur eine Handvoll Pflanzen wie Broccoli, Spinat oder Feldsalat gedeihen im Schatten. Die allermeisten Gemüse-, Obstsorten und Kräuter, benötigen viel Sonne. Ein großer Nutzgarten sollte deswegen eher einen sonnigen Standort bekommen.
Noch etwas ist entscheidend für die Auswahl des Gebäudestandortes auf dem Gelände: der Schadstoffeintrag. Liegt das Grundstück direkt an einer viel befahrenen Straße, dann ist es sinnvoll, den Gemüsegarten weit weg davon zu konzipieren. Doch nicht jeder hat das Glück, den Standort des Gebäudes mitbestimmen zu können.

Möchte man seinen bestehenden Garten grundlegend sanieren, lassen sich viele Dinge verbessern. Der Winter ist ideal dafür, um solche generellen Überlegungen anzustellen. Bei einer Tasse Tee in der warmen Stube kann man neue Vorhaben für das nächste Jahr entwickeln.
Dafür ist es sinnvoll, zu allererst einen Bestandsplan vom Grundstück zu erstellen. Grenzen, das Haus mit seinen Ausgängen, Wege, wichtige Bäume, bestehende Mauern und sonstige relevante Dinge werden in den Plan eingezeichnet. Dieser Plan dient als Grundlage für den späteren Entwurfsplan.

Steht der Bestandsplan, ist es an der Zeit sich folgende Fragen zu stellen:
  • Steht die Ästhetik des Gartens oder der Ertrag im Vordergrund?
  • Wieviel Zeit habe ich zur Verfügung?
  • Kümmert sich jemand im Urlaub um den Garten?
  • Wie groß soll der Küchengarten sein?
  • Welche und wie viele Gemüse- und Obstsorten sollen angebaut werden?
  • Welche und wie viele Kräuter?
  • Möchte ich ein Gewächshaus?
  • Kompost oder Mülltonne?
  • Regenwassertank?
  • Automatische Beregnungsanlage?
  • Möchte ich exotische Obstsorten anbauen, für die ich eine Winterbehausung benötige?
Dies sind nur einige Fragen, die man für sich beantworten sollte. Jetzt sind Sie gut vorbereitet. Nur durch eine gründliche Analyse kann ein gut durchdachter Entwurf entstehen.

Für das Skizzieren des Entwurfes, ist es sinnvoll transparentes Skizzenpapier zur Verfügung zu haben. Das gibt es auf Rollen oder als Blätter im Fachhandel zu erwerben. Auf diesem Papier zeichnen Sie Ihren Traumgarten auf, können aber zeitgleich den Bestandsplan erkennen.
Einige Stellen im Garten sind unter Umständen bereits klar, beispielsweise der gerade Weg zur Haustür, der Sitzplatz direkt an der Terrasse, ein markanter Baum. Die unabdingbaren Tatsachen werden zu Beginn eingezeichnet.

Dann kommt der knifflige Teil der Planung. Wie werden die restlichen Wünsche an den Garten integriert?
Bei der Anlage eines Nutzgartens sollte man an Schnecken denken. Schneckenzäune im Garten sind nicht besonders schön anzusehen. Eine mögliche Alternative kann ein Hochbeet oder eine Fläche oberhalb einer Mauer sein. Das hält die Plagegeister etwas zurück, denn sie mögen es gar nicht, zuerst über eine trockene Mauer klettern zu müssen, um zum Essen zu gelangen. Dadurch ist es sinnvoll, den Gemüsegarten immer oberhalb einer Mauer zu verorten.

Die der Mauer angrenzende Fläche ist bedingt durch die Drainage immer etwas trockener und eignet sich ideal für die Anpflanzung von silbrigen Kräutern wie Salbei oder Lavendel. Lavendel sieht nicht nur gut aus, sondern ist zudem Bestandteil von "Kräutern der Provence".

In zweiter Reihe hinter der Mauer hält der Boden länger die Feuchtigkeit. Dort ist dann der ideale Platz für die noch fehlenden Kräuter: Thymian, Bohnenkraut, Oregano, Rosmarin und Basilikum. Wenn dahinter außerdem Sommergemüse wie Zucchini, und zudem Zwiebeln Platz finden, kommen die Hauptzutaten für eine leckere Ratatouille frisch aus dem Garten. Zur leichteren Pflege sollten die Beete ungefähr alle 100 cm von Trittplatten oder schmalen Wegen unterbrochen werden.

Für lange Trockenperioden wie im letzten Sommer, ist es sinnvoll bei der Planung des Gartens an einen Regenwassertank zu denken. Er kann gar nicht zu groß ausfallen, bei diesen Wetterkapriolen. Bei einem Grundstück von ca. 500 qm benötigt man mindestens einen 3000 Liter großen Tank. Das spart Wasser und nutzt der Umwelt. Oberirdische Tanks müssen im Winter geleert werden. Deswegen empfiehlt es sich immer einen unterirdischen Tank einzubauen. Dieser wird von der jeweiligen Stadt sogar teilweise gefördert. Außerdem verschwindet er unter der Erde und stört damit nicht die Optik im Garten.

Steht ein Gewächshaus auf der Wunschliste, bedarf es einen sehr sonnigen Standort. Es sollte Ihnen aber nicht die schönste Aussicht zerstören. Also muss die Lage wohlüberlegt sein, damit sich das Gewächshaus harmonisch in die Gesamtplanung einfügt. Denn der Garten sollte nicht nur ein Gaumen-, sondern ebenfalls ein Augenschmaus werden.

Wer das Hauptaugenmerk auf die Ästhetik setzt, sich nur ab und zu mal einen Happen aus dem Garten genehmigt, der pflanzt statt der üblichen Ziergehölze Nutzpflanzen an. Es muss nicht immer eine Kletterrose das Haus hochranken. Echter Wein oder Kiwi sehen beide gut aus und gedeihen hervorragend an Wänden. Ein stattlicher Quittenbaum im Vorgarten sieht nicht nur zur Blütezeit dekorativ aus. Die Übergänge von einem reinen Nutzgarten zu einem ansehnlichen Ziergarten gestalten sich fließend. Für die Planung des Gartens ist nur entscheidend, auf welchen Aspekt man mehr Wert legt: auf den Ertrag oder die Ästhetik. In jedem Fall ist beides miteinander vereinbar. Das eine schließt das andere nicht aus bei der Entwurfsplanung.


veröffentlicht in: Obst & Garten, Dezember 2018