Zwei alte Freunde sehen sich wieder und breiten ihre Arme zur Begrüßung weit aus. Sie schauen sich offen in die Augen. Die Freunde umarmen sich herzlich und nehmen den vertrauten Geruch des anderen wahr. Der Weg zur Haustür sollte diesem Ritual entsprechen. Besucher wollen willkommen geheißen und ebenfalls mit offenen Armen empfangen werden.

Offene Arme

Als wir in unser Haus gezogen sind, war unser Vorgarten wenig einladend. Bevor man die Haustür erreichen konnte, hatte man eine mannshohe dichte, dunkle Hecke zu durchqueren. Die Haustür war von der Straße aus nicht einsehbar. Einladend war das nicht. Eher wie ein "Bleib-mir-vom-Leib" für Besucher. Schon im ersten Jahr nach dem Einzug erbarmten sich meine Schwiegereltern der wenig netten Eingangssituation und rissen die Hecke mitsamt Wurzeln raus. Ich bin ihnen immer noch dankbar dafür. Die Hecke vor dem Haus war wie eine Mauer, welche die Leute durchbrechen mussten. Sinnbildlich wurden Besucher mit verschränkten Armen begrüßt.

Weg zur Haustür

Einen netten freundlichen Eingang zu bereiten, ist eigentlich ganz leicht. Der Weg durch den Garten zum Haus, sollte möglichst direkt, ohne Umschweife erfolgen und breit genug sein, damit sich zwei Freunde begrüßen können. Das entspricht etwa einem Maß von 1,5 Metern Wegebreite. Für mit dem Rollstuhl befahrbare Wege ist dies ebenfalls ideal.
Damit mal das Fahrrad oder ein Kinderwagen abgestellt werden kann, muss der Weg dementsprechend breiter sein. Der Eingang wirkt noch einladender, wenn für wartende Gäste eine Sitzgelegenheit angeboten wird. Auf der Gartenbank vor dem Haus lässt sich auch mancher netter Plausch abhalten.
Müllbehälter auf dem Weg zum Eingang sind ein No-Go/Fauxpas. Wer will schon mit Gestank begrüßt werden? Diese sollten lieber etwas weiter weg vom Eingang hinter einem Sichtschutz oder einer Hecke ihren Platz finden. Stattdessen bieten sich Duftpflanzen seitlich des Weges an. Schöne Duftrosen mit Lavendel als Unterpflanzung hinterlassen einen angenehmen Eindruck beim Besucher.

Orientierung/Leitlinien

Ist der Eingang weiter hinten im Grundstück gelegen, benötigen noch nie dagewesene Gäste Hilfe: "Wo muss ich hin? Wo ist die Haustür?" Immer wiederkehrende Pflanzen, die bis zum Eingang leiten, dienen als Linie, an der sich Fremde besser orientieren können. In großen Schlossgärten führt fast immer eine Allee zum Eingang des Gebäudes. In kleineren Gärten gilt das gleiche Prinzip, nur das die Proportionen verändert werden. Eine Möglichkeit die Orientierung zu erleichtern sind immer gleich geschnittene Buchsbäume, die sich im gleichen Abstand wiederholen, bis der Besucher vor der Haustür steht.
Nachts weisen in den Boden eingebaute, immer wiederkehrende Strahler den Besuchern den Weg zum Eingang.
Das Ziel (die Haustür) muss ebenfalls gut ausgeleuchtet sein. Gute Beleuchtung schreckt Einbrecher ab und hilft bei der Orientierung.

Von wo kommen die Besucher?

Kommen die Besucher aus beiden Richtungen der Straße, dann bietet sich ein symmetrischer Eingang an. Gäste haben dadurch sowohl von rechts, als auch von links die gleiche Orientierung. Die Arme Ihres Gartens werden nach beiden Seiten weit ausgebreitet. Wenn das Grundstück am Ende einer Sackgasse gelegen ist, kommen die Leute immer aus einer Richtung. In dem Fall ist der Vorgarten nur von der einen Seite aus einsehbar. Ein kleiner "Umlenker" sollte dem Besucher helfen die Richtung zu wechseln und zu Ihrer Haustür abzubiegen. Z. B. kann eine höhere, lineare Pflanzung auf der einen Seite des Weges bis zur Haustür weisen. Eine niedrige Hecke oder immer wiederkehrende Gräser leiten Gäste bis zum Eingang.

Kompromisse

Natürlich ist ein symmetrischer Garten vor dem Eingang ein Optimum, was nicht immer erreicht werden kann. Meist ist zu wenig Platz. Stellplätze für Autos sind ebenfalls zu integrieren. Wichtig ist nur, dass Sie Ihren Gästen einen netten Entree bereiten. Der Vorgarten des Hauses ist wie eine Visitenkarte, die nicht nur nützlich sein sollte, sondern auch ansprechend. Ein liebevoll gestalteter Vorgarten verspricht jedem Besucher einen angenehmen Willkommensgruß. Und einen zweiten Nutzen hat er ebenfalls: Selber kommt man viel lieber nach Hause, wenn der Garten einladend die Arme nach einem ausbreitet.

veröffentlicht in: Tübingen im Fokus, März 2014